Agrarhandel Fankhauser
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Milcheiweiß und Milchharnstoff selbst richtig beurteilen

 

Der Anteil an nutzbarem Rohprotein (nXP) am Dünndarm der Kuh entscheidet über den Eiweißgehalt in der Milch.

Dipl.-HLFL-Ing. Josef Galler

 

Das für das Tier letztlich im Dünndarm nutzbare Rohprotein (nXP) einer Futterration setzt sich zusammen aus dem
  • im Pansen unabgebautem Futtereiweiß (10 bis 45 % je nach Futtermittel), welches als direkte Eiweißquelle dient.
  • im Pansen zu Ammoniak abgebaute und wieder mikrobiell aufgebaute Futtereiweiß. Dies erfordert jedoch eine ausreichende Energieversorgung im Pansen.

Bei Energiemangel steigt ansonst der Harnstoffgehalt, welcher ein Maßstab für die Stickstoffversorgung im Pansen ist. Ein Harnstoffgehalt unter 15 mg/100 ml Milch weist auf einen Stickstoffmangel im Pansen hin, wodurch auch die Aktivität der Pansenmikroben und in weiterer Folge auch die Futteraufnahme und die Leistung zurückgeht. Bei einer ausgeglichenen ruminalen N-Bilanz im Pansen liegt der Harnstoffwert im Bereich von ca. 25 mg/100 ml.
Um das genetische Milcheiweißbildungspotential auszuschöpfen, muß daher sowohl der Eiweißbedarf der Ration als auch der Energiebedarf gedeckt sein. Fehlt es an Energie im Futter, fällt ebenfalls der Eiweißgehalt, da der größte Anteil des Futterproteins den Umweg über die Pansenbakterien nehmen muss.

Beurteilung der Stoffgehalte in der Milch

Ein hoher Milcheiweißgehalt ist normalerweise kein Problem. Nur bei altmelkenden Kühen deutet ein hoher Milcheiweißgehalt auf einen Energieüberschuss hin (Gefahr der Verfettung).
Ein niedriger Milcheiweißgehalt und 3 % bei gleichzeitig niedrigem Milchharnstoffgehalt deutet sowohl auf Energiemangel als auch auf einen Mangel an nutzbarem Rohprotein hin.
Ist hingegen der Milcheiweißgehalt niedrig und der Milchharnstoffgehalt hoch (über 30 mg/100 ml), so liegt trotz Rohproteinüberschuss aufgrund mangelnder Energieversorgung ein Mangel an verwertbarem Rohprotein am Dünndarm vor.
Ein hoher Milcheiweißgehalt bei niedrigen Harnstoffwerten deutet auf Energieüberschuss und Rohproteinmangel hin, während ein hoher Milcheiweißgehalt bei gleichzeitig hohem Harnstoffgehalt auf Energie- und Rohproteinüberschuss hinweist.  

Keimzahl und Zellzahl

  • S-Qualität:
    Keimzahl < 50.000
    Zellzahl  < 250.000
  • Klasse 1 :
    Keimzahl < 100.000
    Zellzahl < 400.000
  • Klasse 2 :
    Keimzahl > 100.000
    Zellzahl > 400.000           

Beurteilung der Eiweiß- und Harnstoffgehalte in der Milch

  • EW niedrig, Harnstoff unter 15 mg/100 mg - Energiemangel und Rohprotein mangel
  • EW unter 3,20  %, Harnstoff 15 bis 30  mg/100 mg - Energiemangel
  • EW unter 3,20 %, Harnstoff über 30 mg/100 mg - Energiemangel und Rohprotein überschuss
  • EW mittel, Harnstoff unter 15 mg/100 mg - Rohproteinmangel
  • EW 3,30 bis 3,80  %, Harnstoff 15 bis 30 mg/100 mg - ausgeglichene Fütterung
  • EW 3,30 bis 3,80 %, Harnstoff über 30  mg/100 mg - Rohproteinüberschuss
  • EW über 3,80  %, Harnstoff unter 15  mg/100 mg - Energieüberschuss und Rohprotein mangel
  • EW über 3,80 %, Harnstoff 15 bis 30  mg/100 mg - Energieüberschuss
  • EW über 3,80 %, Harnstoff über 30  mg/100 mg - Rohproteinüberschuss